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Hätte ich oder hätte ich nicht ... ... Archäologie studieren sollen. Für beide Positionen gibt es gute Gründe und so bin ich noch heute unentschieden. Ausgrabungen jedenfalls faszinieren mich seit jeher und mein Traumberuf wäre es ganz ohne Frage, finanziell unabhängig und gestützt auf moderne technische Methoden und ein eigenes Grabungsteam Ausgrabungen zu leiten. Nur daß dieses Berufsbild in dieser Form leider nicht existiert, mußte ich natürlich auch längst erkennen. Dennoch läßt mich die Archäologie nicht los und ich habe einen Weg gefunden, der Leidenschaft in kleinem Rahmen regelmäßig zu frönen. Mit 19 Jahren habe ich mich zum ersten Mal in Frankreich als Grabungshelfer an einer archäologischen Ausgrabung beteiligt. Dieses Jahr nun plane ich nun schon zum sechsten Mal meine Teilnahme an einem chantier. Mehr als das eigentliche Graben (Schürfen oder Kratzen trifft es in der Regel eigentlich eher), das häufig schnell ermüdend und ernüchternd werden kann, fasziniert mich immer das Umfeld der Grabung, das Lager, die Landschaft und natürlich die Ausgräber selbst, eben der gesamte Organismus eines Ausgrabungscamps. Alle Grabungen, an denen ich bisher mitwirkte, waren mehr oder weniger stark international besetzt. Teilnehmer aus 10 oder mehr verschiedenen Nationen sind keine Seltenheit, das Zusammenleben und der kulturelle Austausch erweist sich für mich immer als sehr bereichernd. |
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Wie sehen die Bedingungen für einen freiwilligen Grabungshelfer aus? Es geht hier mit Sicherheit nicht um Erholungsurlaub sondern um harte Arbeit, unbezahlte Arbeit. Geld für seine Mitarbeit bekommt man in keinem Fall, unter Umständen zahlt man einen kleinen Anteil für Versicherung oder im Vorfeld als Kaution für sein Kommen. Im Gegenzug für seine zwei- bis vierwöchige Tätigkeit erhält man in der Regel Kost und Logis, wobei erstere meist -wir sind in Frankreich- recht anständig ausfällt, die angebotene Unterbringung entpuppt sich dagegen häufig nur als Aufforderung, sein Zelt mitzubringen, kann aber auch in einfachen festen (en dur) Unterkünften bestehen. Die Arbeitszeiten können sich sehr exzessiv gestalten, manche Grabungsleiter sind in ihrem Enthusiasmus nicht zu bremsen, auch Samstags und Sonntags zu arbeiten. Die Regel sind eher acht Stunden am Tag (ca. 8-12 und 14-18 Uhr) an fünf bis sechs Tagen in der Woche. Es gilt bei der Auswahl eines chantier also die Ausschreibungen sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Natürlich spielt bei der Entscheidung für ein chantier aber auch dessen geographische und landschaftliche Lage und die eigene Vorliebe für eine Zeitepoche eine Rolle. Je weiter man in die Vergangenheit zurück geht, desto exakteres Arbeiten ist meist gefragt. Als weitere Faustregel gilt, daß die materiellen Hinterlassenschaften einer römischen Siedlung deutlich umfangreicher ausfallen dürften als die einer vorgeschichtlichen. In den meisten Fällen besteht die praktische Tätigkeit eines freiwilligen Grabungshelfers auf einer solchen Ausgrabung im vorsichtigen Abtragen von Erdschichten mit Hilfe einer kleinen Kelle (truelle) oder eines Spachtels innerhalb einer zugewiesenen Fläche (carré). Das Vorankommen kann sich bei dieser Methode je nach Bodenbeschaffenheit und Befund recht mühselig gestalten, oftmals handelt es sich um wenige Zentimeter, die man pro Tag in die Vergangenheit vorstößt. Bei großen Grabungsflächen läßt sich dieser Aufwand nur bei entsprechend großem Grabungsteam umsetzen. Man muß sich jedenfalls in der Regel vom Bild des Ausgräbers mit Pickel und Spaten verabschieden, das entsprechende Abtragen der oberen Humusschichten übernimmt heute meist maschinelles Gerät. Es gibt jedoch duchaus auch Ausnahmen, wie die Grabung auf dem Roc de Pampelune zeigt, an der ich im Jahr 2002 teilgenommen habe (s.u.). Auch was Funde oder Befunde betrifft, sollte man seine Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Schätze bleiben in jedem Fall Illusion, unbeschädigte Töpferware ist mir auch noch nicht begegnet, über einzelne Keramikscherben oder das dunkele Sich-Abzeichnen eines Pfostenlochs kann man sich schon einen Tag lang freuen. Ein zerbrochener Handmühlstein gehört noch zu meinen eindrucksvollsten Funden. Neben dem eigentlichen Graben fallen als weitere Tätigkeiten je nach Grabung das Einmessen und Zeichnen der Befunde sowie das Reinigen und Kategorisieren der Funde an. Schließlich wird manchmal auch die Übernahme von Küchendiensten erwartet, und es ist durchaus eine Herausforderung, für 30-50 hungrige Ausgräber drei opulente Mahlzeiten am Tag zu zaubern und zwischendurch womöglich noch für entsprechende Mengen einzukaufen, zu spülen und die Gemeinschaftseinrichtungen sauber zu halten. Aber selbst das kann auch Spaß machen. |
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Wie kommt man an eine Ausgrabung in Frankreich? Das ist heute relativ einfach und unkompliziert. Der Weg führt über eine Internetseite des französischen Kulturministeriums, die ab Mitte April/Anfang Mai eine mehr als ausreichende Anzahl an Grabungen in ganz Frankreich nach Regionen geordnet auflistet und sogar mit Suchfunktionen erschließt. Die gebotenen Informationen genügen für eine Vorauswahl. Dann schreibt man direkt an die angegebenen Verantwortlichen der Grabung, stellt sich kurz vor und bittet um nähere Informationen, das ist oftmals schon per e-mail möglich. Sofern noch Platz im Team ist, erhält man dann meist leider wieder recht knappe Informationen zugeschickt und ein Formular für die Einschreibung . Das schickt man zurück und erhält später den meist positiven Bescheid über die Aufnahme in die Mannschaft. Die geschilderten Bedingungen gelten nach meinen Erfahrungen für Frankreich. In Deutschland existieren meines Wissens nach Grabungscamps von entsprechenden Größenordnungen nicht, zumindest sind mir keine Ausschreibungen wie in Frankreich bekannt. Die Universitäten bieten natürlich für ihre Studenten Grabungen an, die Landesdenkmaläter greifen dagegen häufig auf ABM-Kräfte zurück. Es gibt also Grabungen aber keine ausgeprägten Grabungscamps mit internationalem Treffpunkt- und Eventcharakter, wie ich das in Frankreich teilweise erlebt habe. Dafür ist wohl in Deutschland die Chance größer, als Archäologiestudent für seine Mitarbeit (schlecht) bezahlt zu werden. Den Verlautbarungen nach besteht auch die Möglichkeit, sich bei privaten Grabungsfirmen, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, zu bewerben. Eine sicher nützliche Auflistung findet sich auf den Internetseiten der Universität Bamberg. In England bietet die private Denkmalschutzvereinigung The National Trust neben praktischen Naturschutzeinsätzen auch Ausgrabungen als kostenpflichtige Workcamps an, zu weiteren Ländern besitze ich leider keine Informationen. |
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Grabungen habe ich bisher mitgewirkt:
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